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EM-Team-Gold

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Andrea Weihe holt mit dem Team EM-Gold und nimmt international eine Auszeit
(OTZ/-BM-)

Nach Bronze beim letzten Weltcup zählte die deutsche Compoundbogen-Auswahl der Damen mit der Saalfelderin Andrea Weihe (36/Stahl Unterwellenborn) durchaus zum Favoritenkreis für die EM in Amsterdam. Mit einem klaren 222:216-Sieg gegen Italien, der via Livestream direkt verfolgt werden konnte, sicherte sich das Trio in Holland die Goldmedaille. OTZ sprach mit der Europameisterin – und erfuhr Überraschendes:

Was geht einem durch den Kopf, wenn man im EM-Finale vor der letzten Passe deutlich führt?

Wir haben versucht, uns trotz der sieben Ringe Vorsprung nochmal richtig zu konzentrieren und ein wenig mit dem Bundestrainer geplauscht. Keine Ahnung, was wir da so erzählt haben, wir waren natürlich unheimlich angespannt. Die Italienerinnen hatten die Vorrunde schließlich mit großem Vorsprung gewonnen gehabt. Außerdem war der Wind im Olympiastadion äußerst tückisch und einfach nicht berechenbar. Mit 9-7-9 haben wir den Sieg dann nach Hause geschaukelt. Noch aufregender war eigentlich das Halbfinale, das wir gegen die Russinnen knapp mit 222:221 Ringen gewonnen hatten. Da konnten wir nach den letzten Pfeilen kaum richtig zusammenrechnen.

Dein bisher größter Erfolg?

Mit der Mannschaft auf alle Fälle. Obwohl ich diese Goldmedaille mit dem WM-Bronze von 2003 in New York auf eine Stufe stellen würde. Damals hatte ich nach mehreren vergeblichen Anläufen den Sprung zu einer internationalen Meisterschaft endlich geschafft. Dann ging es nach Übersee und es wurde gleich eine Medaille.

Die sechs Pfeile einer Passe werden immer im Wechsel abgegeben, Du hast immer als Zweite geschossen. Wie seid ihr auf diese Reihenfolge gekommen?

In Antalya beim letzten Weltcup hatten wir das ausgetestet und die Reihenfolge mit Melanie Mikala auf 1 und Kristina Berger als Letzter als die beste Variante empfunden. Auf der zweiten Position fühle ich mich am wohlsten. Die Kristina kann aufgrund ihrer etwas anderen Schießtechnik auch mal unter Zeitdruck den Pfeil lösen – das ist bei mir ausgeschlossen. Mit Kristina, die ja auch im Einzel gewonnen hat, habe ich übrigens das Zimmer geteilt und wir haben uns gut verstanden.

Im Einzelwettbewerb bist Du im 1/16-Finale ausgeschieden. Woran lag es?

Ich war erstmal froh, in der Qualifikation zwei gleichmäßige Durchgänge hinbekommen zu haben. Beim Einschießen für die Direktausscheidung hatte ich ein gutes Gefühl, konnte es aber dann nicht durchgängig umsetzen. Speziell bei der „7“ in der letzten Passe habe ich nicht richtig gestreckt gestanden.

Ihr schießt manchmal auf 70m Entfernung, aber auch über 50m. Manchmal zählen die Ringe, dann wieder gibt es eine Punktwertung…

Da muss ich manchmal selber überlegen, wie nun eigentlich gewertet wird. International und bei den Ranglistenturnieren schießen wir über 50m, um uns von den Recurveschützen zu unterscheiden. Bei der Deutschen Meisterschaft geht es aber nach wie vor auf 70m und mit Punktwertung um die Medaillen.

Wie sieht die weitere Saisonplanung aus? Am Wochenende steht das nächste Ranglistenturnier an.

Wie heißt es so schön? Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören … Ich habe mich entschlossen, erstmal nicht mehr international zu starten und auch keine Ranglistenturniere mehr mit zu schießen. Meine Teilnahme am Wochenende in Chemnitz habe ich bereits abgesagt. Die nächsten Turniere werden der Gemeindepokal in Könitz und dann erst die „Deutsche“ Anfang September sein. Ich höre ja nicht auf, dafür macht es mir im Könitzer Verein und mit meiner dortigen Compoundmannschaft viel zu viel Spaß. Aber ich fahre mein Pensum zurück.

Warum dieser Entschluss?

Die Spitze ist international wie auch national wesentlich dichter geworden. Ich habe einen gewissen Anspruch an meine Leistungen, könnte das aber nur mit noch höherem Trainingsaufwand umsetzten. Darunter leidet, obwohl mich mein Arbeitgeber ganz toll unterstützt, einfach das Familienleben. Sind wir z.B. im Freibad, denke ich – eigentlich müsstest du trainieren. Trainiere ich, würde ich mich oft lieber um unsere Tochter kümmern. Der Kopf ist derzeit einfach nicht frei. Vielleicht sieht das in zwei, drei Jahren wieder anders aus.

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