1970 bis 1979 - Bogensport in Könitz

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1970 bis 1979

Unsere Chronik

Die Jahre 1970 bis 1979

1970 wurden Renate Jäger mit drei „Deutschen Rekorden der DDR“, wie es damals noch hieß und Hubert Müller bei den Schülern A sowie Monika Ludwig bei den Juniorinnen in Hermsdorf DDR-Meister. Ilona Gläser und Günther Finkous belegten bei den Erwachsenen in Radeberg jeweils Rang 6. Hubert Müller, Bert Rißmann und Peter Neumann sicherten sich den DDR-Mannschaftsmeistertitel der Schüler A. Die Silbermedaille der Schülerinnen Renate Jäger, Petra Rademacher, Martina Ungelenke und Carmen Thalmann bei der DDR-Meisterschaft sowie der Sieg beim 6. Pokalturnier zum Pioniertreffen in Cottbus brachten den von Ruth Drechsel trainierten Mädchen den Eintrag in das Ehrenbuch des Zentralrates der FDJ ein. Sektionstrainer Winfried Maierhofer gewann das Nachtschiessen in Görlitz, das es heute noch gibt.


Bild 6
1971 – DDR-Meisterschaften des
Nach-
wuchses in Sondershausen
      

Bei den DDR-Meisterschaften des Nachwuchs 1971 in Sondershausen war die BSG Stahl Maxhütte das Maß der Dinge: Beide Schülermannschaften gewannen, die Jugendteams holten Gold und Silber, die Junioren kamen auf Platz 2 und 3. DDR-Meisterin bei den Schülern A wurden Carmen Thalmann mit 590 Ringen und Bert Rißmann (597). Zur DDR-Meisterschaft der Damen und Herren in Hermsdorf gewannen beide Mannschaften mit Günter Finkous, Jürgen Todtenhöfer und Karl-Heinz Jauch sowie die Damen mit Ilona Gläser, Doris Michael sowie Ruth Drechsel Silber. Bei der IV. Bezirksspartakiade zeigte sich die Überlegenheit der Könitzer wiederum sehr deutlich: 12xGold, 13xSilber und 8xBronze brachten in der Kreiswertung gern gesehene 208 Punkte ein. (Bild 6)

Im Olympiajahr 1972 fand die DDR-Meisterschaft für alle Altersklassen gemeinsam in Strausberg statt: In der Armee-Stadt gewannen Hans-Georg Hirsch bei den Schülern A und Renate Jäger die Jugendklasse. Die Jugendmannschaft mit Jäger, Andrea Taszus, Petra Lier sowie beide Schülermannschaften (Monika Walther, Carmen Thalmann, Marlies Kuchenbäcker sowie Hirsch, Gernot Herzog, Lutz Gärtner) holten sich die Goldmedaille. Das Werner-Seelenbinder-Turnier in Saalfeld mit Gästen aus Plzen war fortan ein gern und erfolgreich besuchtes Turnier für die Könitzer.

Im Jahr darauf gewann Carmen Thalmann bei der DDR-Meisterschaft in Zittau Gold bei den Schülerinnen A mit 625 Ringen und führte die Mannschaft mit Monika Walther und Marlies Kuchenbäcker zum Titel. Auch die Schüler A und die Jugendmannschaft mit Einzelmeister Bert Rißmann siegten. Jürgen Todtenhöfer, die Junioren Hubert Müller, Achim Krug, Renate Jäger sowie Carmen Thalmann als Schülerin nahmen am Länderkampf DDR-Polen in Pirna teil. Bei der Bezirkspartakiade in Gera räumten die Könitzer wieder kräftig ab und sorgten mit 34 Medaillen mit dafür, dass die BSG Stahl Maxhütte unter 210 BSGen DDR-weit den dritten Platz erreichte. Carmen Thalmann und Gernot Herzog gewannen bei den Schülern, Andrea Taszus die Jugendwertung.

14jährige Carmen Thalmann wird Damenmeisterin

1974 war das Jahr der Carmen Thalmann. Die 14jährige gewann zum Jahresauftakt in Hermsdorf die Bezirksmeisterschaft über die FITA-Runde in der Damenklasse mit 1015 Ringen und verbesserte dabei die DDR-Rekorde der Jugend- und Juniorenklasse in Reihe. Bei der DDR-Meisterschaft in Schlema wurde Carmen Zweite in der Jugend hinter ihrer Dauerrivalin Angelika Biermann (Schlema). Katrin Wiesing und Frank Weiland holten beide Titel in der neu eingeführten Schülerklasse B nach Könitz, Monika Walther siegte bei den Schülerinnen A. (Bild 7)

Bild 7
1974 – Carmen Thalmann, Monika Walther,

           Andrea Taszus und Renate Jäger

Der Clou folgte dann aber Wochen später bei den DDR-Meisterschaften der Damen und Herren in Berlin. Carmen gewann als jüngste Teilnehmerin bei den XVI. Titelkämpfen die Damenkonkurrenz mit 1071 Ringen und stellte dabei mit 282 Ringen über 50m noch einen neuen Juniorenrekord auf. Das „Deutsche Sportecho“ berichtete damals so vom Kissingensportplatz in Pankow: „Sie lieferte der 41jährigen Titelverteidigerin Lilian Falke ein dramatisches Duell. Nach 70m und 60m führte die vierfache DDR-Meisterin mit 20 Ringen Differenz.… Ihre Stärke demonstrierte Carmen Thalmann über die 50m-Entfernung, sie ging mit zwei Ringen in Front …Der Kampf wogte über 30m hin und her. Das machte die Titelverteidigerin nervös … während ihre junge Nachfolgerin auf dem Thron mit sicherer Hand den goldenen Mittelpunkt der Zehnerscheibe anvisierte – und traf.“ Sogar das „Neue Deutschland“ veröffentlichte Carmen in Großaufnahme. Nur logisch, dass Carmen Thalmann als Führende in der DDR-Bestenliste der Damen danach für ein internationales Turnier in Warschau in die Nationalmannschaft berufen wurde. Und die ersten (schüchternen) Interviews folgten auch. Ein Auszug aus dem „Volkswacht“-Interview nach dem Titelgewinn:

Wer wird sich wohl am meisten über den Sieg freuen?
 Meine Übungsleiter Ruth Drechsel und Werner Müller

Wie kamst Du zum BS?
 Mich haben Schulfreunde 1969-mal zu einer Übungsstunde mitgenommen.
 Da hat es mir gut gefallen und ich bin dabei geblieben.

Mit welchem Sport liebäugelst du außerdem?

 Volleyball gefällt mir ganz gut. Doch ich bleibe wohl lieber beim BS.
Hast Du schon berufliche Interessen?

 Ich möchte gern einmal Konditorin werden.

Der Berufswunsch erfüllte sich später, vor allem aber blieb sie erst einmal eine erfolgreiche Bogenschützin. Der treffsichere Nachwuchs glänzte auch bei der VI. Geraer Bezirks-Kinder- und Jugendspartakiade. Trainerin Ruth und Sektionsleister Hans Drechsel freuten sich über 16 DDR-Rekorde und 37 gewonnene Medaillen sowie 192 Punkte für die Kreiswertung. 1975 gewann Monika Walther den DDR-Meistertitel der Schülerinnen A in Hermsdorf; Carmen Thalmann den der Jugendklasse in Zeitz. Die Schülerinnen B wurden Mannschaftsmeister mit Claudia Taszus, Katrin Wiesing und Anke Meckel.



Könitz Ausrichter von drei DDR-Meisterschaften

Erfolge auf der ganzen Linie, aber ein großer Wettkampf hatte bis dato in Könitz noch nicht stattgefunden. Das sollte sich 1975 ändern. Vom 22.-24. August fanden die XVII. DDR-Meisterschaften der Damen und Herren statt. Als Besonderheit und in der DDR  auch einmalig bleibend präsentierten die Könitzer den staunenden Sportlern zu dieser Meisterschaft das heute noch stehende große Stahldach. (Bild 8) Damals wurde noch unter dem Dach heraus geschossen, trotzdem blieb ausreichend Platz für Material und Aufenthalt. Alle Schützen und Betreuer waren für das trockene Fleckchen sehr dankbar, denn der zweite Wettkampftag artete in eine große Wasserschlacht aus. Das Rahmenprogramm am Ende des ersten Wettkampftages wurde im Bootshaus der Maxhütte im Alter am Stausee Hohenwarte organisiert
.

Bild 8
1975 – Es wird noch quer geschossen
. Im
Hintergrund der Bau des Daches
  

Sportlich revanchierte sich die in Könitz wohnende, aber für die TSG Saalfeld startende Lilian Falke für ihre Niederlage im Jahr zuvor und gewann mit 1152 Ringen vor Angelika Biermann (Schlema/1148) und Carmen Thalmann (1134). Auch Monika Walther kam noch über 1000 Ringe und wurde mit 1039 Ringen Neunte. Bei den Herren war Jürgen Todtenhöfer als 16. mit 1048 Ringen bester Einheimischer. Besonderheit am Rande: Winfried Maierhofer startete, weil er aufgrund seiner österreichischen Staatsbürgerschaft keine Starterlaubnis bekam, außer Konkurrenz. Mit 1122 Ringen wäre er Fünfter geworden. (Bild 9)

Bild 9
1975 – Trefferaufnahme unter Aufsicht von Ruth Drechsel und Werner Müller

Auch 1976 räumten die Könitzer bei der Bezirksspartakiade in Gera trotz starker Konkurrenz vor allem aus Jena wieder ab, gewannen durch Anke Meckel, Hanno Müller, Katrin Wiesing, Andreas Zimmer, Monika Walther und Holger Rosa alle Goldmedaillen. Hanno Müller wurde in Luckau DDR-Meister der Schüler B, Monika Walther und Carmen Thalmann in Sondershausen in der Jugendklasse bzw. bei den Juniorinnen. Als Besonderheit des Jahres holte die 16jährige Carmen Thalmann in Schlema bereits ihren zweiten Damentitel. Das zweifellos größte Talent der damaligen Zeit erzielte Rekord auf Rekord, aber das olympische Bogenschiessen blieb ihr aus bekannten Gründen leider verwehrt.
Könitz hatte nicht nur eine starke Damen- sondern mittlerweile mit Hubert Müller, Jürgen Todtenhöfer und Klaus Thalmann – angestachelt durch seine erfolgreiche Tochter - auch eine starke Herrenmannschaft. Beide Teams belegten in der DDR-Mannschaftsmeisterschaft den dritten Rang.


1977 gab Ruth Drechsel dann aus gesundheitlichen Gründen sowohl ihre Übungsleitertätigkeit als auch die anderen Funktionen im Trainerrat und dem Bezirksfachausschuß Bogenschiessen auf. „Unsere Hütte“ brachte es damals auf den Punkt: „Die Grundlage für die Erfolge legten vor allem Ruth und Hans Drechsel, die über 15 Jahre die Geschicke der Sektion so erfolgreich führten und als Übungsleiter fast täglich auf dem Sportplatz standen.“ Die Sektionsleitung der Drechsels wurde durch Gisela und Jürgen Todtenhöfer fortgeführt. Gisela entwickelte in den kommenden Jahren als Lehrerin an der POS Könitz einen Blick für Talente und führte so einige Kinder zu Pfeil und Bogen.


Im gleichen Jahr wurde mit Anke Meckel eine bis heute sehr erfolgreiche Ur-Könitzerin in Schlema mit 647 Ringen DDR-Meisterin bei den Schülerinnen B, beide Schüler A- Mannschaften holten ebenfalls den DDR-Meistertitel. Durch Anke fiel in jenem Jahr der DDR-Rekord bei den Schülern B (Gesamt 20/15m 650 Ringe) und auch der Mannschaftsrekord gemeinsam mit Antje Lahr und Carolin Isler.


Für den Auftakt der Freiluftsaison 1978 stiftete die BSG Stahl Maxhütte einen Wanderpokal für die Aktiven aus den drei Thüringer Bezirken. 21 Herren und 12 Damen nahmen auf der Anlage in Könitz den Wettbewerb auf. Die fortan „Thüringenpokal“ genannte Vase gewann der Gastgeber in der Besetzung Winfried Maierhofer, Hubert Müller und Klaus Thalmann. Das Pokalturnier wechselte 1981 mit der Stiftung des Könitzer Gemeindepokals nach Jena. Der Herrenmannschaft gelang der Aufstieg in die DDR-Oberliga, die Damen wurden in der höchsten Leistungsklasse Dritte. Bei der VIII. Bezirksspartakiade in Gera gewann Könitz wiederum alle Einzeltitel durch Antje Lahr und Henry Merten (Schüler B), Claudia Althans und Hanno Müller (Schüler A) sowie die Jugendlichen Claudia Taszus und Andreas Zimmer.



Könitz war Anfang September 1978 zum zweiten Mal Austragungsort der DDR-Meisterschaften der Damen und Herren. Jürgen Todtenhöfer damals im Interview: „Die Sportfreunde unserer Sektion leisteten bisher an der Wettkampfanlage ca. 300 Stunden im Mach-mit-Wettbewerb. So wurden die Scheibenanlage erneuert, die Überdachung der Schützenlinie abgestrahlt und gestrichen sowie ein Raum für die Aufbewahrung der Sportgeräte geschaffen.“ Noch in Erinnerung ist auch die heiße Diskussion um die Schützenlinie. „Die FITA-Regel besagte, dass nicht aus einem umbauten Raum geschossen werden darf. Was aber ein umbauter Raum ist, war nicht genau definiert. Um allen Anfechtungen aus dem Weg zu gehen, haben wir dann kurz vor der Meisterschaft die Schützenlinie vor das Dach verlegt. (Bild 10)

Bild 10
1978 – Eröffnung der 20. DDR-Meisterschaften

           der Damen und Herren in Könitz


Die Platzierungen und Ringe der Könitzer damals: Jürgen Todtenhöfer 10. bei den Herren (1078), 14. Holger Rosa (1068), 21. Klaus Thalmann (1009), 22. Winfried („Bim“) Maierhofer (988); bei den Damen wurde Carmen Thalmann Sechste mit 1060 Ringen und Andrea Taszus 16. (804). DBSV-Präsident Roland Nestler bedankte sich für die gute Vorbereitung und ausgezeichneten Bedingungen und versicherte, dass der Verband mit der Meisterschaft bald wieder nach Könitz kommt. Der Präsident behielt recht.

Beim I. Verbandstreffen in Rostock 1979 gewannen Hanno Müller in der Jugendklasse und Andreas Zimmer bei den Junioren die DDR-Meisterschaft. Anke Meckel holte bei den Schülern A Bronze. Die Wettbewerbe begannen bei Sonnenschein und endeten in einer Wasser- und Windschlacht. Das Treffen war wirklich ein Höhepunkt für den DBSV, denn durch die parallel durchgeführten Volkssportwettbewerbe mit Teilnehmern aus allen Bezirken fanden doch einige Hobbyschützen den Weg in die Vereine.

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